ANKER – „Ankerobjekte“ als Kristallisationspunkte der digitalen Öffnung und transdisziplinären Integration ethischer Aspekte von Künstlicher Intelligenz in Forschungs- und Innovationsprozessen

Projektinformation
Projektleitung
Dr. Mone Spindler
Dr. Simon Hirsbrunner
Universität Tübingen
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Laufzeit
11/2023 bis 10/2026
Projektstatus
laufend
Während Integrierte Forschung gemeinhin als geeignete Konstellation für verantwortungsvolle Innovation und Technikentwicklung angesehen wird, sind die Herausforderungen bei der integrativen Entwicklung vielfältig und umfassen epistemische, methodologische, kommunikative sowie strukturelle Aspekte. Diese Komplexität macht deutlich, dass es eines systematischen Ansatzes bedarf, um Tools zu entwickeln, die nicht nur inhaltlich unterstützen, sondern auch das Potential haben, den Entwicklungsprozess zu verankern. Das Projekt ANKER fokussiert sich daher auf die Untersuchung, Entwicklung und Vermittlung von Tools, die als „Ankerobjekte“ dienen, um die transdisziplinäre Aushandlung ethischer Fragen in den heterogenen Wissensformen, Praktiken und Kontexten der Beteiligten sowie im gesellschaftlichen Diskurs zu verankern. Bisher steht die systematische Forschung über solche Tools für die integrierte Forschung aus und das Potential digitaler Tools wird nicht vollständig ausgeschöpft. Aus dem breiten Themenspektrum Integrierter Forschung wird dabei der Einbezug ethischer Aspekte von Künstlicher Intelligenz (KI) in Forschungs- und Innovationsvorhaben fokussiert.
Der Herausforderung der Integration ethischer Aspekte in die KI-Entwicklung nähert sich das Projekt in einem mehrstufigen Ansatz: Es untersucht zunächst, wie Tools beschaffen sein müssen, um eine effektive Verankerung zu ermöglichen, und entwickelt daraufhin eigene digitale Tools, die den Einbezug von KI-Ethik erleichtern.
Der Ansatz integrierter Forschung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Zum einen sind Beteiligte integrativer Forschungsentwicklungen Zielgruppe des Projekts und zum anderen wird integrierte Forschung durch ein interdisziplinäres Team (Ethik, Soziologie und Informatik) im Projekt selbst praktiziert.
Ziel des Projekts ist die Erarbeitung eines fundierten Verständnisses des Bedarfs und der Anforderungen an Tools, die zur effektiven Verankerung ethischer Überlegungen in der KI-Entwicklung und anderer Gegenstandsbereiche integrierter Forschung dienen. Die entwickelten Tools sollen zudem nicht nur praktikable Lösungen bieten, sondern zusammen mit weiteren Projektergebnissen im Rahmen eines Open Tools Lab vermittelt und optimiert werden. Das Lab dient als Plattform, um eine breite Anwendung der Tools zu unterstützen und die Diskussion über ethische Aspekte in der KI-Entwicklung in einem offenen und kollaborativen Umfeld zu fördern.
Dr. Mone Spindler
Universität Tübingen, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Dr. Simon Hirsbrunner
Universität Tübingen, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Lisa Koeritz
Universität Tübingen, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Sonja Pfisterer
Universität Tübingen, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
Weitere Informationen

Ergebnisse und Materialien
KI-Ethik in Innovationen verankern
Das Poster gibt einen Überblick über das Projekt und die erarbeiteten Ergebnisse. Dazu wurde auch ein Audio-Guide erstellt.
Digital Responsible AI Tools Typology

Im Projekt ANKER wurden 30 digitale Responsible-AI-Tools analysiert, die zwischen 2018 und 2026 veröffentlicht wurden. Es wurde untersucht, wie sie ethische Anforderungen in KI-Entwicklungsprozessen verankern, etwa durch ethische Deliberation, die Einbettung in Arbeitsabläufe, organisationale Praktiken oder die Ausrichtung auf Gesellschaft und Öffentlichkeit. Für jedes Tool wurde analysiert, wie es KI-Ethik entlang vier Dimensionen verankert: Ethical Deliberation, Practice Area, Operations, Public Orientation
Daraus wurde eine Typologie entwickelt, um Orientierung in der großen Fülle von digitalen Responsible-AI-Tools zu schaffen. Die Typologie zeigt nicht nur, was diese Tools tun, sondern auch, welchen Beitrag sie zur Verankerung von Ethik in KI-Projekten leisten können.
Der Datensatz ist frei zugänglich über Google Sheets:
Der Datensatz als Excel-Datei und Quellenangaben über Zenodo:
Ankerobjekte

Der AI Guidelines Guru ist ein Prototyp zur Interaktion mit Ethik-Guidelines. Eine Datenbasis von über 200 öffentlich zugänglichen Ethikrichtlinien und -frameworks wurde dafür über eine interaktive Ansicht zugänglich und durchsuchbar gemacht.

Aktuell in der Entwicklung
Der AI Ethics Navigator unterstützt Entwicklungsteams, ethische Prinzipien gemeinsam für ihr spezielles KI-System zu konkretisieren, zu reflektieren und zu bewerten. Dafür wurde die bestehende VDE-Spezifikation 90012 für vertrauenswürdige KI (VCIO-Ansatz) zu einer interaktiven, co-laborativen, flexibel anpassbaren Web-Anwendung ausgebaut.

Aktuell in der Entwicklung
Mit dem AI Ethics Editor lassen sich domänen-spezifische Anforderungen und sich wandelnde Regulierungen und Wertvorstellungen im AI Ethics Navigator abbilden. Der Editor ermöglicht das Bearbeiten bestehender sowie das Erstellen neuer Werte, Indikatoren und Kriterien für den AI Ethics Navigator.
Ethics-Tools Lab: Werkzeugkasten für angewandte Ethik
Wie lassen sich ethische Fragen systematisch in Technikentwicklung, Forschung und Bildung integrieren? Mit dem Ethics-Tools Lab stellt das IZEW eine offene Plattform vor, die vielfältige Ethik-Tools bündelt und praxisnah zugänglich macht. Die Sammlung umfasst sowohl analoge Formate wie Spiele und Reflexionsmethoden als auch digitale Anwendungen und unterstützt Akteur:innen dabei, ethische Aspekte in ihrem jeweiligen Arbeitskontext zu erkennen, zu bewerten und in Entscheidungen einzubeziehen.
Das Ethics-Tools Lab wurde im Rahmen des Projekts ANKER entwickelt und versammelt Tools, die im Projekt selbst oder in anderen Projekten von IZEW-Mitarbeitenden konzipiert wurden.
Weitere Informationen gibt es in einem Blogbeitrag zum Tools-Lab für den Ethikblog Bedenk-Zeiten des IZEW.

Publikationen & Vorträge
Koeritz, Lisa, & Pfisterer, Sonja (2026): Beyond the principle‑practice gap: How digital AI ethics tools fall short in the age of GenAI. In F. Butollo & A. K. Krüger (Hrsg.), Generative AI and society: What is at stake? Weizenbaum Conference 2026 – Book of abstracts. Weizenbaum Institute.
Koeritz, Lisa, Pfisterer, Sonja, Spindler, Mone & Hirsbrunner, Simon (2026): Fairness Without Reflection? An Empirical Analysis
of AI Ethics Tools in the Age of GenAI. In Proceedings of Fifth European Conference on Algorithmic Fairness (ECAF’26).
Proceedings of Machine Learning Research. Genf. 02.-04. September 2026.
Pfisterer, Sonja, Spindler, Mone & Koeritz, Lisa (2026): Das IZEW Ethics-Tools Lab: Ein Werkzeugkasten für die Vermittlung von Ethik in Technikentwicklungs-. Forschungs- und Bildungsprozessen. BedenkZeiten – Ein Ethikblog des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften. Erscheinungsdatum: 01.04.2026.
Spindler, Mone & Koeritz, Lisa (2025): Was bedeutet Integration? Vielfältige Kontexte und Perspektiven. Eine (Selbst)Verständigung aus dem Cluster Integrierte Forschung.
Spindler, Mone (2025): The situated multimodality of integrating ethics: orientation work for co-laborative reflexivity and empowerment. In: Journal of Responsible Innovation 12(1). https://doi.org/10.1080/23299460.2025.2466900





